Kopftuchmädchen

Bismillah

Ja, ich bin ein „Koptuchmädchen“, liebe AFD. Ich bin deutsche Staatsbürgerin, arbeite in Vollzeit als Sozialarbeiterin, zahle Steuern und Sozialversicherung. Aber ja, nennt mich nur beim Namen. Ich bin ein Koptuchmädchen. Wenn dies alles ist, was mich ausmacht, dann soll es so sein.

Aber nun möchte ich meine Geschichte erzählen.

Seit ich mich mit dem Islam auseinander gesetzt habe und schließlich konvertiert bin, habe ich mich für bedecktere Kleidung entschieden. Ich habe mich automatisch wohler damit gefühlt und tatsächlich auch freier. Das Verständnis von Schönheit in unserer Kultur beinhaltet möglichst wenig Stoff, viel Haut und Tonnen von Make up und Haarprodukten.  Die Frage die ich mir hierbei gestellt habe war: Für wen mache ich das eigentlich? Für wen, stehe ich morgens früher auf und überlege, was ich mir anziehen und wie ich mich stylen soll?

Im Islam geht es nicht darum, dass man nicht schön sein darf. Aber alles hat Grenzen. Man soll sich selbst wohlfühlen und nicht zum Objekt für andere werden. Ich bin kein Gelehrter und deshalb will und kann ich hier nicht auf Genaueres eingehen.

Wenn mich jemand fragt, warum ich Kopftuch trage, sage ich: Weil ich es möchte.

Und diese Antwort reicht. Für mich. Genauso wie ich mich nicht rechtfertige, verurteile ich auch keine Frau, die sich gegen diese Kleidung entscheidet.

Jedenfalls fing meine „Kopftuch-Story“ im Sommer 2018 an. Nach meiner Konvertierung, trug ich immer mal wieder undercover ein Tuch. Wenn ich in fremden Städten war und selbstverständlich in den Moscheen. Ich merkte, dass ich mich wohl fühlte. Ich war konzentrierter auf mein Inneres und total entspannt, weil ich mir weniger Sorgen um mein Äußeres machte. Ich fühlte mich wie in einer Höhle, geschützt vor der großen Welt, aber gleichermaßen viel offener und emphatischer.

Die Zeiten in denen ich heimlich das Kopftuch trug, wurden immer mehr. Im Frühling diesen Jahres entschied ich mich dann ganz dafür. Es sollte der Ramadan sein, in dem ich damit beginnen wollte. Eine besinnlich, ruhige und friedliche Zeit. Mein Umfeld wusste bereits, dass ich Muslima war und ich hatte viele Schwestern um mich, die mich ohnehin unterstützen al hamdulliah.

Da war dann eben nur das Problem mit der Arbeit. Ich bin die einzige muslimische Frau dort, zumindest von den Mitarbeitern. Ich ging also zu meiner Vorgesetzten und bat um ein Gespräch. Ohne großes Erklären sagte ich: „Ich möchte gerne Kopftuch tragen.“ In den folgenden Sekunden wirkte es beinahe so, als würden ihre Gesichtszüge entgleisen. Damit gerechnet hatte sie also schon mal nicht. Aber sie besinnte sich recht schnell ( Das ist der Vorteil, wenn auch die Vorgesetzte Sozialarbeiterin ist.) und zuckte mit den Schultern: „Wissen Sie was? Solange Sie Ihre Arbeit weiterhin so gut machen, ist es mir völlig egal was Sie sich um den Kopf wickeln.“ Wir mussten beide lachen.Sie sicherte mir dann noch zu, es mit der obersten Geschäftsführung abzusprechen und schickte mich dann erleichtert an die Arbeit. Nur wenige Stunden später erhielt ich eine Mail mit dem treffenden Begriff „Kopftuch“, in der stand, dass es keine Probleme geben wird. Al hamdullilah.

Eine Woche später, es war der 13.05.2019, nahm ich dann mein Lieblings-Rosa-Chiffon-Tuch und „wickelte“ es mir um den Kopf.  Mutig schritt ich durch die Gänge in mein Büro. Innerlich war ich natürlich trotzdem voll nervös. Aber ich fühlte mich auch stolz unn wohl. Und selbstbewusst. Meine Kollegen im Team sagten gar nichts, ein paar Leute aus anderen Abteilungen guckten kurz komisch aber sagten auch nichts. Ein ältere Kollege erkannte mich nicht. Eine Dame aus der Buchhaltung war mir diesen „Oh-Gott-Kind-du-wurdest-gewzungen“ Blick zu. ( Ein paar Wochen später konnte ich sie ein bisschen über den Islam aufklären.) Die meisten jedoch behandelten mich wie immer. Hatte mir ja auch nur was um den Kopf gewickelt.  🙂

Die beste Reaktion war jedoch von einer Kollegin, die ich nicht häufig sehe. Sie guckte mich perplex an und sagte direkt: „Was?! Seit wann trägst du Koptuch?“ Ich musste richtig lachen, weil ich wusste, dass es bei ihr nur Überraschung und Neugier war. Außerdem finde ich es erfrischend ehrlich so angesprochen zu werden.

Nun arbeite ich schon seit Monaten mit Kopftuch und an meiner Arbeitsleistung hat es nichts geändert. Dafür müsste ich mir vielleicht den Stoff etwas enger binden, so das Blutgefäße abgeklemmt werden. Naja, mache ich vielleicht mal, wenn ich keine Lust mehr auf arbeiten habe.

Die schwerste Reaktion stand mir jedoch noch bevor: Die meiner Familie. Erst im August bin ich dorthin gefahren, da es recht weit ist. Was soll ich sagen? Es waren schwere Tage. Sätze wie: „Entweder du machst das ab oder wir wollen dich nicht mehr hier sehen“ sind echt ermutigend. Aber mittlerweile fühlte ich mich so selbstbewusst, dass ich nach ner Runde Heulen, mein Krönchen Kopftuch wieder gerade gerichtet habe und in die Konfrontation gegangen bin. Meine Großeltern gaben letztendlich zu, dass sie Angst vor der Reaktion der Nachbarn hätten. Gelöst habe ich es mit einer Kapuzenjacke, die ich mir gangstermäßig über den Kopf gezogen habe, wenn ich vom Auto ins Haus gegangen bin.

Meine Mutter, al hamdullilah, hat mich von Anfang an so akzeptiert. Und auch wenn sie es nicht versteht, sagt sie „es ist deine Entscheidung was du trägst und was du machst, solange es dich glücklich macht.“

Ich bin glücklich.

Euer Koptuchmädchen Naimah.

 

 

Mein Herz wird größer

„Wahrlich es gibt im Menschemkörper ein kleines Stück Fleisch, wenn dieses gut ist, so ist der ganze Körper gut. Ist es aber verdorben, so ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich das ist das Herz!“ (Bukhari)“

Im Namen des Allerbarmers, des Barmherzigen.

In den vergangenen Wochen war viel los. Umzug, Arbeitsstress, private Probleme. Und ich outete mich vor meiner Familie als Muslim. Aber dazu in einem späteren Beitrag.

Was ich am Islam so sehr liebe ist mein Herz. Es ist größer und reiner geworden. Ich verhalte mich automatisch viel respektvoller und ruhiger gegenüber anderen. Das Leid anderer berührt mich noch viel mehr als früher und wenn ich frage „Wie gehts?“, dann meine ich das auch jedes Mal so – ganz fernab von Small Talk.

Mir liegt viel daran, das Leben anderer schöner und leichter zu machen. Und ich versuche, Konflikten weitestgehend aus dem Weg zu gehen.

Manchmal passiert es dann, dass ich klein bei gebe oder Probleme gar nicht erst  anspreche. Doch ich glaube, dass ich zwar jetzt dafür zurück stecken muss, aber später dafür belohnt werde inshallah.

Ich liebe mein Herz. Es fühlt sich frei und leicht und sauber an. Ich bin nicht perfekt, ich bin fern davon. Aber ich versuche jeden Tag etwas Neues zu lernen und besser zu werden.

Al hamdullilah

Rules and Regulations – Der Islam und seine Regeln

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Früher habe ich Regeln und Vorschriften gehasst. Ich habe alles getan um mich dagegen aufzulehnen.

Der Islam hat viele Regeln. Und nach 6 Monaten als Muslima kenne ich gerade mal einen Bruchteil davon.

Aber das schöne am Islam ist auch, dass ich keinen Druck habe „perfekt“ zu sein. Natürlich verlangt Allah von uns, dass wir jeden Tag lernen und uns weiterbilden. Und es tut sehr gut, Neues zu lernen und den Islam noch besser zu verstehen. Bis jetzt habe ich auf alle meine Fragen Antworten erhalten und jede Erklärung hat Sinn gemacht.

„Es ist eine Pflicht für jeden Muslim, nach Wissen zu streben.“ (Ibn Majah)

Die Regeln und die Struktur tut mir gut. Ich habe etwas nach dem ich leben kann, etwas das mir Halt gibt – in jeder Situation.

Dadurch dass ich noch ein ganz „frischer“ Muslim bin, kann ich mich natürlich gar nicht an alle Regeln halten.

Aber ich merke, wie leicht es mir fällt, mich zumindest an die wichtigsten zu halten. Mein Herz hat verstanden, dass die Wahrheit im Koran liegt. Und dass alles was Allah uns vorschreibt einen Sinn ergibt. Auch wenn wir vielleicht nicht alles verstehen.

Schweinefleisch? Als Bacon-Liebhaber dachte ich dass es mir schwer fallen würde. Aber es passiert ganz automatisch – ich WILL es einfach nicht essen. Und ich brauche es auch nicht. Außerdem gibt es bei Kaufland hervorragenden Bacon aus Putenfleisch, der FAST so schmeckt wie das Original 🙂

Alkohol? Ich war noch nie jemand, der oft getrunken hat al hamdulillah. Natürlich gab es die Party Nächte bis ins Morgengrauen. Aber ganz ehrlich, ist es wirklich wichtig, sich zu betrinken und absolut abzudrehen? Was hat man denn am nächsten Morgen davon? Kopfschmerzen!

Bedecktere Kleidung? MUSS ich wirklich jedem Fremden mein Dekolletee zeigen? Das ist mein Körper. Warum sollte jeder alles davon sehen? Ich will mit meinem Charakter auffallen, nicht mit meinen Reizen.

Es gibt noch zig andere Dinge, die ich hier nennen könnte und ich werde mich den Themen inshallah noch genauer widmen.

Was ich eigentlich sagen möchte: Alles was der Islam für mich vorschreibt ist in keinster Weise schlecht für mich – im Gegenteil es macht mich zu einem besseren Menschen.

Und nur weil nicht alles den heutigen gesellschaftlichen Normen entspricht, heißt doch nicht dass es schlecht ist?

Bis bald, eure Na’imah

 

Mein Weg zum Islam (Teil 2)

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Vor ungefähr einem Jahr wurde ich krank – ich bekam Depressionen. Die Art von Depression, die dich am Leben zweifeln lässt, dich morgens daran hindert aufzustehen und bei der deine Gedanken nur noch eine Richtung kennen: abwärts.

Monatelang schleppte ich mich von Tag zu Tag. Medikamente halfen nicht und ich war zu schwach um hunderte Telefonate für einen Therapieplatz zu führen. Eigentlich hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Astaghfirullah, ich hörte sogar auf an Gott zu glauben.

Vor 6 Monaten ging gar nichts mehr: Ich war am Tiefpunkt. Alles um mich herum war schwarz, ich konnte mich nicht mehr freuen und ich wollte es auch nicht mehr.

Ich schleppte mich mit letzter Kraft zum Arzt und verlangte nach neuen Tabletten. Ich bekam sie, jedoch mit der Aussage: „Es dauert mindestens 4 Wochen bis sie helfen. Vielleicht schlagen sie aber gar nicht an.“ Vier Wochen? Wie sollte ich es noch einen einzigen Tagen mit diesen inneren Schmerzen schaffen?

Zuhause angekommen setzte ich alles auf eine Karte. Ich  machte die Augen zu und fing an, zu sprechen: „Hör mir zu Allah. Wenn du da bist, bitte höre mich. Ich esse kein Schwein mehr, trinke kein Alkohol und versuche zu beten. Aber bitte erlöse mich von diesen Schmerzen und lass die Tabletten wirken!“

Genau das machte ich dann auch. Natürlich war ich keine Muslima, das hätte ich nie vor mir selbst zugegeben. Und von Konvertieren hatte ich Allah ja auch gar nichts gesagt.

Ich betete. Ohne Wudu (Waschen), Ohne Gebetskleidung und ohne Teppich. Zunächst alle paar Tage, später sogar jeden Tag. Ich achtete akribisch darauf, kein Schwein zu mir zunehmen und auf Alkohol verzichtete ich komplett.

Und SubhanAllah, auch wenn mir das die wenigsten Menschen glauben: Diese verdammten Tabletten wirkten nach 8 Tagen! Ich bekam wieder Energie, Antrieb und konnte sogar hin und wieder lachen. Meine Gedanken drehten sich immer weniger im Kreis und das ganze Schwarz um mich herum, begann sich etwas zu lösen.

Ohne darüber nachzudenken, begann ich regelmäßiger zu beten. Ich las Koran, schaute Videos auf youtube (Mufti Menk – seine Vorträge sind echt zu empfehlen) und ich lernte immer mehr. Ich begann den Islam zu verstehen und ihn mit anderen Augen zu sehen.

Ich begann Wudu zu machen, benutzte einen Teppich und lernte meine zweite Sure aus dem Koran auswendig. Es war die letzte – Sura An-naas. Die Eröffnungssure Al Fatiha, die man bei jedem Gebet rezitieren muss, hatte ich übrigens schon ein Jahr vorher gelernt. Einfach so, spaßeshalber.

Die Shahada, Das Glaubensbekenntnis, sprach ich jedoch nicht im Gebet. ICH war ja keine Muslima!

Inzwischen hatte ich so viel über den Islam gelernt und es begeisterte mich immer mehr. Mir ging es besser, viel besser. Die Tabletten hatten ihre volle Wirkung entfaltet und ich hatte das Gefühl wieder normal zu leben.

Irgendwann, ungefähr einen Monat nach meinem „Deal“ mit Allah, wagte ich mich dann. Ganz alleine im Gebet aber mit vollem Herzen.

Ashhadu an-la ilaha ill allah wa anna muhammad rasulullah.

(Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und das Mohammed sein Gesandter ist.)

Plötzlich war ich Muslima. In meinem Herzen, ohne dass es auch nur ein Mensch auf dieser Welt wusste.

Das Glaubensbekenntnis spricht man in der Regel vor 2 Zeugen. Aber ich wusste auch so, dass Allah es wusste.

Ab diesem Punkt hatte mich der Islam gefesselt. In jeder freien Minute las ich im Koran, versuchte neue Suren zu lernen und hörte mir islamische Vorträge im Internet an.

Irgendwann war ich dann auch bereit, Gebetskleidung zu tragen. Ich hatte mich lange dagegen gewehrt und außerdem hatte ich mit mir die Abmachung, nur das zutun was mir gut tat und was ich wirklich von Herzen wollte.

Ich durchstöberte also Online Shops und fand schließlich ein einteiliges Gewand (in lila), was mir gefiel. Als das Päckchen kam, freute ich mich wie ein kleines Kind und machte erst einmal Selfies. Irgendwie war ich stolz es zu tragen, da es von Herzen kam.

Mittlerweile hatte ich einigen Freunden von meinem Neuanfang erzählt. Besonders die Muslime freuten sich mit mir und hießen mich herzlich Willkommen in der Religion. Aber auch die Nicht-Muslime erstaunten mich: Es gab niemanden, der negativ reagierte al hamdulillah.

Ende April besuchte ich dann zum ersten Mal das Freitagsgebet in der Moschee und fühlte mich sofort zuhause. Völlig unerwartet hatte ich dort die Eingebung auch offiziell konvertieren zu wollen und sprach den Imam darauf an. Der lud mich natürlich direkt ein, vor allen anwesenden Muslimen, während der Freitagspredigt die Shahada zu sprechen. Doch ich wollte gerne zwei liebe Menschen dabei haben und versprach am Abend wieder zu kommen.

Gemeinsam gingen wir also ein paar Stunden später wieder zur Moschee. Ein Freund fragte mich: „Bist du aufgeregt?“ Ich antwortete ganz cool: „Nein. Ich spreche die Shahada doch eh immer im Gebet.

Doch Pustekuchen: Als ich dann vorm Imam stand, zitterten mir gewaltig die Knie und während ich das Glaubensbekenntnis sprach, hatte ich ein unbeschreibliches Gefühl. Als ob jemand die Dusche über mir eingeschaltet hatte und ich mit einem Schlag „sauber“ gewaschen werde. In der Mitte des Satzes kamen mir die Tränen und ich zitterte am ganzen Körper. Ein Gefühl, dass dann wahrscheinlich doch nur Konvertiten kennen 😉

Jetzt war ich offiziell Muslima – vor Zeugen und natürlich vor Allah. Es war wie ein Geburtstag. Ein neuer Anfang. Ein neues Lebensgefühl.

Ich musste erst ganz tief fallen, um den Weg zu Allah zu finden und nun bin ich sogar dankbar, Depressionen gehabt zu haben bzw. zu haben. Ohne diese Schmerzen und dieses Leiden, hätte ich niemals diesen Schritt gewagt.

Ich bin jetzt glücklich. Mein Leben ist nicht perfekt und um ehrlich zu sein, geht gerade wieder eine Menge schief – aber ich habe jetzt einen Glauben, der mir Kraft und Halt gibt. Al Hamdulillah – Alles Lob gebührt Allah.

Bis bald, eure Na’imah

Mein Weg zum Islam (Teil 1)

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Ich komme aus einem Teil Deutschlands, da gibt es keinen Islam. Geboren und aufgewachsen bin ich also in einer kleinen, „heilen“ Welt ohne Multi-Kulti. In einer Welt, in der die Menschen nicht gern über den Tellerrand schauen.

Religion ist dort generell nicht sehr beliebt. Statt Konfirmation gibt es die Jugendweihe – ganz weltlich und frei von kirchlichen Riten. Getaufte Kinder sind eher die Ausnahme und ein Besuch in der Kirche ist maximal an Weihnachten drin.

Auch ich war also nicht getauft und wuchs ohne Religion und Glauben auf. Über die Existenz Gottes machte ich mir keine Gedanken. Erst später mit 14 oder 15 fing ich an, mich mit Religionen auseinander zusetzen – dem Christentum und dem Buddhismus.

Mir war klar, dass es einen Gott geben müsse. Warum weiß ich nicht. Ich betete manchmal, ganz brav mit zusammengefalteten Händen. Aber viel tiefer ging mein Glaube zu dem Zeitpunkt nicht.

Als ich kurz vor der Volljährigkeit stand, durchlebte ich eine schwere Zeit. Eine Zeit in der ich sogar Suizidgedanken hatte und mich selbst verletzte. In dieser Zeit war mir Gott auf einmal sehr nah und irgendwie half mir das.

Witzigerweise war ich damals schon überzeugt, dass Jesus nicht der Sohn Gottes sein konnte. Ich ging immer davon aus, dass er ein Prophet war, aus dessen „Geschichten“ wir etwas lernen sollten. Vom Islam hatte ich bis dato immer noch nichts gehört. Im Nachhinein ist dies total verrückt. Ich hatte eine Überzeugung, wusste aber gar nicht woher.

Jedenfalls begleitete mich Gott von dieser Zeit immer ein bisschen weiter. Ich betete hin und wieder – jedoch meist, wenn es mir schlecht ging.

Erst circa 10 Jahre später, als ich bereits längst nicht mehr in meiner Heimat wohnte, kam ich das erste mal mit Muslimen in Berührung – privat wie auch beruflich.

Da ich gerne Neues lernte, stellte ich viele Fragen zum Islam. Zunächst war das Interesse jedoch nicht sehr tiefgründig. Es war jedenfalls keine Religion, bei der ich auch nur annähernd in Erwägung gezogen hätte, mich anzuschließen.

Wie es der „Zufall“ jedoch wollte, kam ich dem Thema, aus diversen privaten Gründen immer näher. Ich fing an viel zu lesen und durchforstete das Internet nach Informationen. Irgendetwas zog mich zum Islam. Eine Faszination, wie ein Magnet.

Gleichzeitig war ich mir sicher, natürlich nieeeemals konvertieren zu wollen und zu können. Ich, als Feministin? Als moderne, gebildete Frau in Deutschland? Kein Alkohol, Kein Schwein und dann auch noch Kopftuch?? Bestimmt nicht!

Doch so einfach ließ mich Allah nicht vom Haken…..

Ramadan – Na’imah und das Fasten

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Gestern Abend um 21:52 Uhr saß ich mit meiner Dattel in der Hand am Wohnzimmertisch und dachte mir: „Hast du das jetzt echt durchgehalten?“

Ja, ich habe gefastet. Den ganzen Ramadan – bis auf einen Tag.

Erst vor ein paar Monaten wurde ich Muslima. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich später erzähle.

Welch Sorgen habe ich mir vorher gemacht. Werde ich genügend schlafen können? Den ganzen Tag ohne was zu trinken, ohne Cola! Und was wird meine Nikotinsucht dazu sagen? Die 5 Gebete würde ich nun auch gerne schaffen zu beten –  aber krieg ich das hin? Und wie wird es bei der Arbeit?

Fragen über Fragen.

Ich hab’s trotzdem getan. Rein ins kalte Wasser. Gibt ja noch ein paar mehr Muslime auf der Welt, die das jedes Jahr machen.

Am ersten Tag bin ich brav kurz vor Suhoor, dem „Frühstück“, aufgestanden. Ich habe gegessen, getrunken und schnell noch 2,3 Zigaretten geraucht. Ich hatte panische Angst Kopfschmerzen zu bekommen. Meine muslimischen Freunde hatten mich gewarnt: „Die ersten 3 Tage werden schlimm.“

Al Hamdulillah ich hatte keine Kopfschmerzen. An keinem einzigen Tag. Natürlich hatte ich Durst. Und Hunger. Und Nikotinmangel. Aber ich habe es geschafft.

Ich habe kein einziges Gebet verpasst, auch wenn es manchmal echt schwer war gegen die Müdigkeit zu kämpfen. Müde war ich nämlich sehr, eigentlich den ganzen Tag.

Meine Strategie war Etappenschlaf. Nach der Arbeit 3 Stunden, Nach Isha’a, dem Nachtgebet, 3 Stunden und dann nach Suhoor noch mal 2 Stunden.

Theoretisch 8 Stunden. Praktisch ungefähr 4-5, da ich zu der Art Menschen gehöre, die ewig zum Einschlafen brauchen. Das führte dazu, dass ich auch mal in Einhorn-Hausschuhen die Wohnung verließ und bei der Arbeit nicht mehr wusste, wie man einen Computer benutzt.

Fastenbrechen war jeden Abend toll. Man hatte sich den ganzen Tag ausgemalt, was man alles essen wird. Und dann sitzt man da, mit halbvollem Teller und ist pappsatt. Meiner Figur hat es nicht geschadet.

Aber man wird dankbar. Dankbar dafür, dass wir abends unser Fasten brechen können. Dankbar dafür, dass wir in einem Land leben, in dem man einfach eine Flasche sauberes Wasser aus dem Kühlschrank nehmen kann. Dankbar dafür, dass immer genug Essen da ist.

Was ich besonders genossen habe, war jedoch die innere Ruhe die ich hatte. Es war als ob alles still steht. Ich wurde entspannter, gelassener und irgendwie freier.

Ich habe viel Dua, Bittgebete, gemacht und dadurch noch mehr Nähe zu Allah bekommen.

Wenn ich nicht geschlafen oder gearbeitet habe, habe ich mir bei youtube islamische Vorträge angeschaut und natürlich Koran gelesen.

Ich habe viel gelernt, viel gefühlt und bin innerlich gewachsen.

Auf Wiedersehen Ramadan, bis nächstes Jahr!

Allen Brüdern und Schwestern wünsche ich ein gesegnetes Eid. Möge Allah euch für eure Taten belohnen.

Den Nicht-Muslimen stehe ich jederzeit gerne für Fragen bereit.

Bis Bald, eure Na’imah